Eine christliche Antwort auf die Coronavirus-Pandemie

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In vielen unserer Länder herrscht der Ausnahmezustand: Schulen und Universitäten bleiben geschlossen, viele Unternehmen ebenso, das öffentliche Leben kommt zum Erliegen, ganze Wirtschaftszweige brechen ein. Noch gibt es in den Krankenhäusern Deutschlands, Österreichs und der Schweiz ausreichend Betten zur intensivmedizinischen Betreuung, doch im nahen Italien müssen Ärzte bereits täglich entscheiden, wer beatmet wird und wer stirbt. Es ist leider durchaus möglich, dass Ähnliches auch in unseren Ländern schon bald der Fall sein wird. Was das bedeutet für die betroffenen Familien, wie schlimm die Pandemie weltweit noch wüten wird, was die langfristigen Folgen sein werden für Wirtschaft und Gesellschaft, all das lässt sich heute noch gar nicht ermessen.

Dazu gibt derzeit zwei sehr unterschiedliche Reaktionen. Manche halten die Maßnahmen der Regierungen für überzogen und das Ganze für unangemessene Panikmache. Andere wiederum verfallen in Angst und Panik. Wie könnte eine christliche Haltung aussehen?

1. Sozialkontakte möglichst minimieren – ein Gebot der Nächstenliebe

Schon im Alten Testament finden sich strenge Quarantänebestimmungen für Menschen mit ansteckenden Krankheiten (z.B. 3. Mose 13). In diesen Fällen waren die Symptome sichtbar, beim derzeit grassierenden Virus treten sie meist erst nach vielen Tagen auf, oder fallen überhaupt sehr milde und kaum merklich aus. Doch das Prinzip bleibt dasselbe. Wenn wir also der Aufforderung unserer Regierung und der Gesundheitsbehörden folgen, Sozialkontakte möglichst zu minimieren, dann ist das kein Ausdruck des Unglaubens (als ob Gott uns nicht beschützen könnte), sondern ein Gebot der Weisheit und insbesondere der Nächstenliebe. Je flacher nämlich die Infektionskurve verläuft, desto weniger vulnerable Menschen werden letztlich an der Virusinfektion sterben. Vor allem, weil die begrenzten Kapazitäten der intensivmedizinischen Betreuung dadurch geschont werden. Wo wir dazu beitragen können, sollten wir das unbedingt tun.

2. Epidemien, Nächstenliebe und Erweckung

Während wir uns also aus Umsicht, Solidarität und Nächstenliebe an den Maßnahmen zur Eindämmung der derzeitigen Epidemie beteiligen, denke ich oft daran, wie hell das Licht der tätigen christlichen Nächstenliebe in ähnlichen Situationen oft schon gestrahlt hat, wie zum Beispiel im alten Rom:

Im Jahr 165 n. Chr. wütete eine Seuche im mächtigen Römischen Reich. Sie raffte ein Drittel der Bevölkerung dahin. Im Jahr 251 kam es zu einem erneuten Ausbruch: in der Stadt Rom allein starben 5.000 Menschen pro Tag. Menschen, die sich infiziert hatten, wurden von ihren Familien in den Straßen liegengelassen, um dort zu sterben. Die Regierung war hilflos, der Kaiser selbst starb an der Seuche. Heidnische Priester flohen aus ihren Tempeln, wohin Menschen sich auf der Suche nach Trost und Antworten geflüchtet hatten. Die Menschen waren zu schwach, um sich selbst zu helfen. Wenn man nicht an den Pocken starb, dann an Hunger, Durst und Einsamkeit. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft waren katastrophal.

Doch im Gefolge der Seuche fand sich der gute Ruf des Christentums bestätigt, und die Zahl der Christen wuchs exponentiell. Warum? Christen kamen nicht mit intellektuellen Antworten auf das Problem des Leids. Sie hatten keine übernatürliche Fähigkeit, Schmerz und Leid zu vermeiden. Was sie hatten, war Wasser und Essen und ihre Nähe. Kurz gesagt, wenn man einen Christen kannte, war es statistisch gesehen wahrscheinlicher, dass man überlebte. Und wenn man überlebte, dann bot einem die Kirche das liebevollste, stabilste soziale Umfeld. Es waren nicht so sehr clevere Apologetik, strategische politische Organisation oder das Zeugnis der Märtyrer, die das Imperium bekehrten, sondern die einfache Überzeugung normaler Frauen und Männer, dass sie das, was sie für die geringsten ihrer Nächsten taten, für Christus taten. (Stephen Backhouse zitiert in Simon Ponsonby, Loving Mercy)

Wäre es nicht wunderbar, wenn auch in unserer Zeit wir Christen vor allem für unsere großzügige Nächstenliebe bekannt wären, anstatt dafür, was wir alles verurteilen und schlecht heißen?

Ganz konkret könnte tätige Nächstenliebe z.B. so aussehen, dass wir älteren Menschen in unserer Nachbarschaft anbieten, ihre Einkäufe für sie zu erledigen. Oder, dass wir unsere Klopapier- und Essensvorräte mit unseren Nachbarn teilen. Oder, dass wir uns Zeit nehmen, mit einsamen Menschen zu telefonieren oder zu skypen. Bestimmt fällt uns allen dazu noch viel mehr ein.

3. Der Angst unsere Hoffnung entgegensetzen

Unsichere Zeiten, gesellschaftliche Erschütterungen, die Gefahr von Armut, Krankheit und Tod – das macht Angst. Das betrifft von vornherein natürlich auch gläubige Menschen. In solchen Situationen tut es gut, uns daran zu erinnern, ja uns auszumalen, was es heißt, Kind Gottes zu sein. Der allmächtige Gott sorgt für uns als liebender Vater. Er ist unendlich stark, seine Ressourcen sind unbegrenzt, seine Treue hört niemals auf. Er verliert nie den Überblick, er behält immer die Kontrolle. In seinen starken Händen sind wir sicher und geborgen, jeden Tag unseres Lebens, bis hin zur Stunde unseres Todes. Ja, unsere Hoffnung reicht sogar weit über den Tod hinaus, weil wir fest mit der Auferstehung rechnen dürfen! Jesus, unser Vorläufer, ist uns diesen Weg ja schon vorausgegangen.

Mir selbst hilft in beängstigenden Situationen besonders das Nachsinnen über Bibelstellen, die ich auswendig kann, die ich durchdenke, durchbete, durchfühle, durchkaue, im Herzen trage und innerlich verdaue. Zum Beispiel der 23. Psalm. Kennen Sie den eigentlich schon auswendig?

Und natürlich das Gebet. Gott lädt uns dazu ein, unsere Sorgen auf ihn zu werfen. Denn er sorgt sich ja bereits um uns (1. Petrusbrief 5,7). Mir hilft es, meine Sorgen ganz konkret auszusprechen, zu benennen und sie so im Gebet auf Gott zu „werfen“. Die große Kunst liegt darin, sie anschließend nicht wieder an mich zu reißen und sie am Ende doch selbst zu tragen. Plastisch stelle ich mir das manchmal so vor: meine Sorgen sind wie schwere Eisenstücke, Gott selbst wie ein starker Magnet. Sobald ich meine Sorgen in seine Richtung geworfen habe, bleiben sie fest an ihm haften. Ich sollte nur nicht versuchen, sie mit Gewalt wieder an mich zu ziehen.

Ähnlich formuliert es auch der Apostel Paulus, „Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn“ (Philipperbrief 4,6). Das Resultat, das uns versprochen wird, ist überwältigend: „Dann wird der Frieden Gottes, der weit über alles Verstehen hinausreicht, über euren Gedanken wachen und euch in eurem Innersten bewahren – euch, die ihr mit Jesus Christus verbunden seid.“

Wenn wir diesen Frieden finden und im Herzen tragen, dann werden wir ihn auch ausstrahlen. Und man wird uns diese Hoffnung anspüren. Wenn dann unsere Mitmenschen mehr wissen wollen über die Hoffnung, die uns erfüllt, dann sollten wir jederzeit bereit sein, Rede und Antwort zu stehen (1. Pet. 3,15). Anregungen dazu finden Sie z.B. in unserer Mediathek oder unserem online-Kurs.